Wulkower Geschichte PDF Drucken E-Mail

1354 - 1945

Das erste Mal wurde Wulkow 1353 als „villa wol­kowe„ ur­kund­lich er­wähnt. Die ersten aus­ge­wie­senen Wul­kower Land­ei­gen­tümer hießen Wahl, Sceß, Blu­men­hagen, Rakow und Stein­keller. 1577 ver­kaufte Hans von Stein­keller seinen Be­sitz an Hans von Burgs­dorff zu Po­delzig. Der drei­ßig­jäh­rige Krieg (1618 bis 1648) führte zur völ­ligen Zer­stö­rung und Ver­ödung des Ortes. Erst 1676 sorgte Joa­chim Erd­mann von Burgs­dorff als Kur­fürst­lich Bran­den­bur­gi­scher Amt­haupt­mann von Lebus für einen Neu­an­fang in „Wusten Wulckow" wie der Ort da­mals be­zeich­nen­der­weise hieß.

Der Ära von Burgs­dorff ver­dankt Wulkow im We­sent­li­chen seine bis heute noch sicht­bare Ge­stalt. 1687 be­gann Burgs­dorff mit dem Bau der Wul­kower Kirche, 1695 läßt er sein Gruft­haus auf dem Kirchhof er­richten. 1697 folgen Her­ren­haus, Gar­ten­an­lage und Gutshof. 1882 kaufte Öko­no­mierat Carl Fried­rich Hugo Schulz auf Pe­ters­hagen das Rit­tergut Wulkow und gab es zwei Jahre später an seinen Sohn Ri­chard weiter, der 1899 auch das Vor­werk Pe­terhof er­warb. Schulz ließ das Ba­rock­schloss zwi­schen 1898 und 1902 we­sent­lich ver­grö­ßern und dem Zeit­ge­schmack ent­spre­chend mo­der­ni­sieren. Ab 1920 trug die Fa­milie, die da­mals zu den fünf größten nicht-ad­ligen Rit­ter­guts­be­sit­zer­fa­mi­lien in der Mark ge­hörte, den Namen Schulz-Wulkow. 1911 wurde das Schul­ge­bäude ge­baut, 1913/14 ent­standen am da­ma­ligen West-Ende der Dorf­straße die beiden Dop­pel­wohn­häuser in Zie­gel­bau­weise. 1914 wurde die Gast­stätte, die eins­tige Guts­schmiede, um einen Tanz­saal er­wei­tert. Eine wich­tige Zäsur in der Orts­ge­schichte war der Groß­brand 1931. Da­mals wurden auf dem Gutshof Spei­cher, Scheune, Schaf-, Rinder- und Pfer­de­stall ver­nichtet. Dem Neu­aufbau des Guts­hofes ver­dankt Wulkow den orts­bild­prä­genden vier­ge­schos­sigen Spei­cher, den heu­tigen Ökospei­cher

1945 - 1989

Im Fe­bruar 1945 mussten die Wul­kower vor dem her­an­na­henden Krieg das Dorf ver­lassen. Als die so­wje­ti­schen Truppen am 16. April die Groß­of­fen­sive an den See­lower Höhen be­gannen, ver­lief in und um Wulkow die süd­liche Flanke der Ver­tei­diger. Als die Wul­kower im Mai nach und nach zu Hause ein­trafen, fanden sie ein viel­fach be­schä­digtes, aber kein zer­bombtes Dorf vor. Völlig zer­stört, be­richten Zeit­zeugen, war le­dig­lich das Haus von Fa­milie Schulz. Der Schloß­turm war ver­mut­lich weg­ge­sprengt worden. Tote Sol­daten mussten von den Fel­dern ge­borgen, Kriegs­schrott weg­ge­sam­melt werden. In Wulkow, vor allem im Schloss, lebten nach dem Krieg zahl­reiche Flücht­lings­fa­mi­lien. Mit der Bo­den­re­form be­kamen viele von ihnen eine be­schei­dene wirt­schaft­liche Per­spek­tive. Doch auf den ge­ringen Flä­chen konnte kaum je­mand ef­fektiv wirt­schaften.
1953 be­gann in Wulkow die Kol­lek­ti­vie­rung der Land­wirt­schaft. Die LPG Vor­wärts er­wies sich zu­nächst als eine Er­folgs­ge­schichte. Erst als Mitte der 70er Jahre Tier- und Pflan­zen­pro­duk­tion aus­ein­an­der­ge­rissen und ent­spre­chenden Agrar­be­trieben in Alt Ze­sch­dorf an­ge­glie­dert wurden, war der be­schei­dene Auf­schwung vorbei. Der wirt­schaft­liche Be­deu­tungs­ver­lust hatte für das Dorf dra­ma­ti­sche Folgen: Am Ende der DDR-Zeit wurde Wulkow in die „Sied­lungs­ka­te­gorie 6„ ein­ge­stuft - das Dorf sollte leer­ge­wohnt werden. Es gab keine Bau­ge­neh­mi­gungen mehr und kein Geld für die Wert­er­hal­tung. Der Ver­fall von Her­ren­haus und Gutshof be­schleu­nigte sich dra­ma­tisch. Die Wul­kower ver­suchten dem mit viel Ei­genini­tia­tive und Im­pro­vi­sa­ti­ons­ta­lent ge­gen­zu­steuern. Straße und Was­ser­lei­tung, Bür­ger­steige, ge­mein­de­ei­gene Woh­nungen und Kin­der­garten wurden weit­ge­hend in Ei­gen­leis­tung in­stand ge­setzt. Feu­er­wehr und De­mo­kra­ti­scher Frau­en­bund, Volks­so­li­da­rität und Kar­ne­valsclub or­ga­ni­sierten ein reges Kul­tur­leben und hielten den Ge­mein­schafts­sinn der Dorf­be­wohner am Leben. Das Schloss - immer wieder wurde durch die Kreis­be­hörden die Sa­nie­rung ver­spro­chen - über­for­derte die Kraft der Dorf­ge­mein­schaft al­ler­dings.

ab 1990

Mit der Wäh­rungs­u­nion und der deut­schen Ein­heit 1990 schien das von der DDR be­reits ein­ge­lei­tete Ende für Wulkow zu­nächst be­sie­gelt. Fast die Hälfte der Dorf­be­völ­ke­rung im ar­beits­fä­higen Alter wurde ar­beitslos. Gast­stätte, Konsum und Post­stelle wurden ge­schlossen. Das gleiche Schicksal drohte dem Kin­der­garten. Mit dem Kon­zept zur öko­lo­gi­schen Dor­fer­neue­rung hatten die Ge­mein­de­ver­treter sich schließ­lich auf den Weg ge­macht, diese de­pres­sive Phase hinter sich zu lassen. Wirt­schafl­tiche Wie­der­be­le­bung durch öko­lo­gi­sche Um­ge­stal­tung hießen die Schlag­worte. Da­hinter stand die prak­ti­sche Er­wä­gung, dass die meist schwie­rigen Böden in Wulkow eine in­ten­sive Land­wirt­schaft kaum noch zuließen. Der Spei­cher wurde zum „Ökospei­cher„ und gab einem Verein den Namen. Hier fanden re­gel­mäßig Markt­tage statt, um die Feld- und Gar­ten­früchte der Wul­kower gleich ver­kaufen zu können. Um diese Keim­zelle herum ent­standen ein öko­lo­gi­scher Land­bau­be­trieb mit Rin­der­herde, ein Ge­wässer- und Fisch­zucht­be­trieb, Kräu­ter­garten, Ho­lun­der­plan­tage und ein In­ge­nieur­büro für Ener­gie­be­ra­tung. Ein Teil der Ge­meinde wird durch eine Pel­lethei­zung mit Wärme ver­sorgt. Tra­di­tio­nelle Ge­werke wie die Tisch­lerei be­kamen Ar­beit. Die Gast­stätte konnte - zu­min­dest zeit­weise - wieder öffnen, und der Kin­der­garten wurde ge­rettet. Zahl­reiche Ver­eine und Grup­pie­rungen - Frei­wil­lige Feu­er­wehr, Kirch­ge­meinde, Ökospei­cher-Verein, Rent­ner­club, Schüt­zen­verein und Jagd­ge­nos­sen­schaft, Wul­kower Car­ne­valler und Die Wul­kower e.V. sorgten für ein ak­tives Leben im Ort. Sicht­bares und ex­tra­va­gantes Zei­chen dieses Auf­bruchs ist das UFO, das fu­tu­ris­ti­sche Nied­ri­g­ener­gie­haus am Ort­sein­gang. Seit 1991 ist Wulkow Bran­den­burgs Mo­dell­dorf für öko­lo­gi­sche Dor­f­ent­wick­lung, 1994 wurden diese Be­mü­hungen mit dem Bun­desum­welt­preis ho­no­riert.

 

 

 
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