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03.10.09 Man muss nur ein wenig die Augen offen halten, und schon entdeckt man selbst auf dem scheinbar öden Gutshof noch jede Menge, was wächst und blüht. Katrin Todt führt ihre Exkursionsgruppe vom Speicher aus nur wenige Meter zu einer Picknickbank. Unter dem versteckt sich eine kleine Staude mit blassblauen Blüten: Die Wegwarte. Nichts Seltenes, ein alltäglicher Anblick – und dennoch kann die Ökologin eine Menge interessanter Dinge über den Korbblütler erzählen. Etwa die Sage, nach der die Blume eine verzauberte Prinzessin sein soll, die am Weg auf ihren Prinzen wartet.
Oder die Geschichte des so genannten Zichorienkaffees, der einst aus den gerösteten und gemahlenen Wurzeln der Wegwarte zubereitet wurde. Ein typisches Nachkriegs-Kaffee-Ersatzgetränk, das allerdings auch heute noch ein Bestandteil von Malzkaffee sein soll. Auf eine kleine Pflanze mit großer Bedeutung macht Katrin Todt ein paar Meter weiter am Rand eines Landwirtschaftswegs aufmerksam. Die einjährige Rispe, ein unscheinbares Gras, das oft auf den Mittelstreifen von Feldwegen zu finden ist. Viele Vögel leben in den Heckenstreifen an den Wegrändern. So lange kein Fahrzeug kommt, lassen sich die Vögel auf den Mittelstreifen nieder und fressen die Samen der Rispe, erzählt Katrin Todt. Eine gute Stunde streift die Gruppe durch Gutshof und Park – überall kann die Exkursionsführerin Wissenswertes von Kräutern und Unkräutern erzählen – wobei es letztere scheinbar gar nicht gibt. Selbst so lästige Gartenrüpel wie der Giersch seien ein wirksames Mittel gegen Gicht und Rheuma. Junge Blätter taugen sogar zum Salat. Am Schlossteich kann Katrin Todt den Besuchern noch einen richtig tollen Anblick bieten: Eine Weide, die von einem erstaunlich gleichmäßigen Efeuzylinder umrankt wird. Eine Naturskulptur in voller Blüte, von Bienen umschwirrt. Und das an einem frischen Oktobertag!
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