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Ökofilmtour 2018. Filmgespräch zu "Die Wüste lebt"

Ein durchweg gut gefülltes Kino-Café und spannende Diskussionen über das Gesehene - das lässt sich über die diesjährige Ökofilmtour im Wulkower Ökospeicher sagen. Auf dem Programm standen durchweg Filme mit hohem Gesprächswert: zu nachhaltigem Produktdesign, bedingungslosen Grundeinkommen, artgerechter Tierhaltung und über eine scheinbar abgehängte Region in Brandenburg. Beendet wurde die Tour während des Ostermarkts mit Kinderfilmen über Ameisen und Wasserläufer - und einer anschließenden Miniexkursion in die Wulkower Natur. Hier der Bericht darüber.

Hier ein kurzer Rückblick auf die Erwachsenen-Veranstaltungen:

 

22.3. "Die Wüste lebt"- liebevoller Blick auf eine schwierige Region

wueste lebt

Was für verrückte Typen in der scheinbar abgehängten Niederlausitz: Ein Dorfzauberer kreiert im Gasthof einen "Saal der Wunder". Ein Swinger-Club-Betreiber fordert eine Kultur des "Bekannt-Gehens". Ein "Unternehmensästhetiker" begehrt singend Einlass vor Industrieruinen, und ein Dorfbewohner verwandelt sein Haus in einen funkelnden Märchenpalast. Die RBB-Produktion "Die Wüste lebt" war ganz sicher der lustigste Film der diesjährigen Ökofilmtour. Im vollbesetzten Café erzählte anschließend Filmautorin Anke Blumenthal, wie der Film entstanden ist. Eine Liebeserklärung an ihre Heimat sollte es sein, sagte die Senftenbergerin, ein freundlicher und subjektiver Blick. "Den habe ich mir gegönnt". Natürlich, räumte die Autorin ein, würde es so einen kleinen Dokumentarfilm überfordern, wenn er behaupten würde, eine ganze Region abzubilden. Denn die ist derzeit von zahlreichen Problemen geplagt: Konflikte zwischen Füchtlingen und Einheimischen. populistische Politiker, hohe Arbeitslosigkeit und ökologische Probleme. "Die Wüste lebt" hingegen erzäht die sich wandelnde Kohleregion von einer liebenswerten Seite.

Zu diesen liebenswerten Typen gehört auch der "verrückte Professor" Erik von Gravert-May, der sich ebenfalls den Publikumsfragen stellte. Der emeretierte Volkswirt von der früheren Lausitz-Hochschule berichtete mit vielen amüsanten Abschweifungen von seinen spektakulären Aktionen, die im Film nur angerissen wurden: Unter anderem die Geschichte, wie er einst mit Studenten die Schutzheilige der Bergarbeiter für einen Tag aus einem Museum entführte - und damit ziemlich viel Ärger bekam.

15.3. "Artgerecht" - das Schweineexperiment

artgerecht das schweine experimentVier Schweine werden von den Filmautoren aus der Massentierhaltung herausgekauft und bekommen ein neues Leben spendiert: in einem naturnahen und artgerechten Bauernhof bei Hamburg. Wie werden sich die Mastsau Martha und vier Ferkel in dem neuen Zuhause zurechtfinden? Die Antwort: gut! Nach kurzer Zeit lernen die Tiere, dass es ein Leben außerhalb der Box gibt, dass man spazierengehen kann, an Pflanzen knabbern, mit dem Rüssel in der Erde wühlen und wie schön ein Schlammbad ist. Parallel zeigen die Filmemacher, welches Schicksal den Tieren ansonsten beschieden gewesen wäre. Die Enge einer Stallanlage, die industrielle Effizienz eines hochautomatisierten Schlachtbetriebs. In der anschließenden Publikumsdiskussion erzählte Demeter-Bäuerin Ulrike Raulf vom Leben der Schweine in ihrem Betrieb, die sie sich allerdings nur als Hobby hält, wie sie einräumt. Wirtschaftlich sei artgerechte Schweinehaltung nämlich nicht. Allein die Schlachtkosten seien für Biobetriebe immens und stünden in kaum einem Verhältnis zu den Erlösen. Mehrere Zuhörer monierten die Geiz-ist-geil-Mentalität vieler Verbraucher, die das Billigfleisch aus der Massentierhaltung erst möglich machten. Andere forderten staatliche Begrenzungen - auch mit dem Blick auf Dritte-Welt-Länder, deren einheimischen Landwirte durch EU-subventionierte Fleischexporte ruiniert würden.

8.3. "Free Lunch Society"

free lunch societyMit einem bedingunslosen Grundeinkommen, wäre der Verlust des Arbeitsplatzes keine Drohung mehr, mit der Arbeitgeber Macht ausüben können. Das sagt - sinngemäß - der Gründer der Drogeriekette dm in dieser Dokumentation zum Thema "Bedingunsloses Grundeinkommen". Faszinierende Gedanken zu einem großen Thema, das politisch immer interessanter wird, je mehr Künstliche Intelligenz und Roboterisierung das jetzige Erwerbsarbeitsmodell bedrohen. Ein voller Zuschauerraum folgte diesem komplexen und gar nicht mal so leichtem Stoff mit großem Interesse.

In der anschließenden Diskussion mit Richard Rath vom Bündnis Bedingungsloses Grundeinkommen wurde die Idee mit Wohlwollen und mit Skepsis diskutiert. Rath hielt die Sorgen für unbegründet, dass sich die Leute mit dem Grundeinkommen mehrheitlich auf die faule Haut legen würden. Man könne einfach mal herumfragen: Würdest Du weiterarbeiten oder alle viere gerade sein lassen. Die Antwort wäre eindeutig. Viel mehr Menschen könnten sich gemeinwohlorientierten Dingen widmen. Soziale Gerechtigkeit allerdings, räumte Richard Rath ein, sei mit dem BGE allein nicht erreichbar. Offen blieb auch die Frage, wie das BGE eingeführt werden könnte. Sicher nicht auf einen Schlag. 

1.3. "Kommen Rührgeräte in den Himmel?"

kommen ruehrgeraete in den himmelDass man einem Rührgerät aus DDR-Produktion einen abendfüllenden Dokumentarfilm widmen konnte, war eine erstaunliche Erfahrung. Doch der unbefangene Blick einer Schweizer Studentin sorgte für jenes Staunen und Wundern, dass man als ostsozialisierter Mensch bei diesem Thema vielleicht gar nicht mehr hat. Dass es ganz und gar nicht selbstverständlich ist, dass ein solches Gerät mehr als 30 Jahre hält. Jedenfalls macht sich die Hauptfigur dieser Doku auf eine Reise, um die Hersteller dieses Geräts kennenzulernen, ihren längst untergegangenen Betrieb in Suhl und ihr Verständnis für Qualität und Design. Beim Publikum sorgte der Film für viel Oh und Ah - einige Besucher hatten selbst noch eine solche Maschine. Und auch der Gedanke des Repair-Cafés war in Wulkow nicht fremd. Auch hier wurden schon viele totgeglaubte Haushaltsgeräte vor der Verschrottung gerettet.

 

 29.3. Schnecken entdecken - Bienen besuchen. Das Ökofilmtourkinderkinofest

IMG 5807Eigentlich hätten sich die Kinder gern die Wasserläufer aus dem Film noch einmal in der Natur angeschaut. Doch der kleine Bachlauf am Rande des Wulkower Schlossparks war an den Rändern noch zugefroren, kaum ein Wassertier verirrte sich in die Becherlupen der Ökofilmtour-Miniexkursionsteilnehmer. Was also fand sich noch zum Entdecken? Schneckengehäuse! Die Expeditionsleiter Thomas und Jenny klappten ihr Bestimmungsbuch auf und identifizierten die von den Kindern angeschleppten Schnirkel- und Posthornschnecken.

Dann hieß es: leise sein! Wer singt da? Jenny machte auf den Gesang des Eichelhähers aufmerksam. Der Vogel war zwar schwer zu sehen, aber gut zu hören. Und schließlich kam es zu einer Art Gespräch: Der elektronische „Zauberstift“, der zum Bestimmungsbuch gehörte, trällerte kurz die Melodie – aus dem Baumwipfel kam die Antwort: Da sitzt er! Schließlich gab es dann noch mehr zu sehen für die Sechs- bis Elfjährigen und ihre Eltern: Einen Zaunkönig etwa und etliche Meisen.

Höhepunkt der Tour war jedoch der Besuch bei den Bienen. Erstmals bei einer Ökofilmtourexkursion präsentierte der Wulkower Imker Jasper Heilmann seinen Bienenschaugarten gegenüber vom Ökospeicher. Zufällig schien die Sonne warm genug auf einen der Bienenkästen. Und so starteten die Insekten ihre ersten Erkundungsflüge vor den Augen der Besucher. „Wisst Ihr, die haben über den Winter alles vergessen. Die wissen gar nicht mehr, wie es draußen aussieht“, erklärte Jasper. Deshalb also diese suchenden Flugbewegungen, als ob sie Achten in die Luft schrieben. Manche Biene hatte sich dann doch schon etwas weiter weggetraut. Weißer Pollen klebte an den Insekten und manchmal auch rötlicher – Mitbringsel von Ausflügen zu Schneeglöckchen und Krokussen.

Furcht vor Bienenstichen war übrigens unbegründet. Und für ängstliche Besucher gab es kleine Imkerhüte mit Netzgitter. Jasper beantwortete geduldig alle Fragen zu Waben, Wachs und Honig, öffnete kurz eine Tür im Bienenkasten, um durch eine Glasscheibe den Blick auf das große Gewimmel in der Bienenwohnung freizugeben. Schließlich zeigte er dann noch einen alten braunen Bienenkorb wie er früher auf jedem Bauernhof zu finden war. „Hat jemand eine Idee, womit das Korbgeflecht zugeschmiert ist?“ Hm. Sieht aus wie Lehm… „Falsch! Kuhscheiße! Die Bienen lieben das“.