Start Dorfkita - ein Grund aufs Land zu ziehen
Comeback des Dorfkonsums? PDF Drucken E-Mail

Workshop Gibt es Chancen für ein Co­me­back des Dorf­kon­sums? Dieses Thema lockte am Vi­ta­re­giotag über­ra­schend viele Dis­kus­si­ons­teil­nehmer an. Der Dorf­konsum (wobei Konsum hier als Syn­o­n­onym für den kleinen Le­bens­mit­tel­laden ver­wendet wird) wurde von vielen als ein wich­tiges Stück Le­bens­qua­lität auf dem Land an­ge­sehen.


Eine Er­folgs­ge­schichte konnten Pfarrer Bernd Witt­chow und einer seiner Mit­streiter aus Her­mers­dorf bei Mün­che­berg be­schreiben. Dort exis­tiert seit ei­nigen Jahren wieder ein Dorf­konsum, ent­standen mit Hilfe des Ver­eins Eich­walder Mühle, einer Sucht­hil­fe­ein­rich­tung. Der Aufbau des Kon­sums war zu­nächst eine Mög­lich­keit nach er­folg­rei­cher The­rapie wieder An­schluss an das Dorf zu finden. Der Konsum ist nun zwei mal zwei Stunden am Tag ge­öffnet und wird von einer Voll­zeit­kraft be­treut. Das Er­folgs­re­zept heißt Kom­mu­ni­ka­tion: Rentner, denen der Weg in die nächste Stadt Mün­che­berg oh­nehin zu be­schwer­lich ist, ver­ab­reden sich zum ge­mein­samen Ein­kauf. Flie­gende Händler, die das Dorf an­fahren, sind in der Regel zur Öff­nungs­zeit am Platz vor dem Laden. So kommen in dem kleinen Ort (273 Ein­wohner) jeden Tag 45 bis 50 Kunden zu­sammen. Nicht nur ne­benbei er­füllt der Her­mers­dorfer Konsum auch Funk­tionen als Ver­an­stal­tungs­cafe´.

Einen an­deren Weg geht die Wul­kower Food­coop, eine lose Ein­kaufs­ge­mein­schaft, an der rund 20 Dorf­be­wohner be­tei­ligt sind. Ul­rike Raulf vom De­me­ter­be­trieb „Wul­kower Hof“ hatte zu­nächst nach einer Mög­lich­keit ge­sucht, das von ihr pro­du­zierte Rind­fleisch di­rekt zu ver­markten. Hinzu kommen nun Pro­dukte, die vom Bio­groß­händler Terra be­zogen werden.

Einmal in der Woche wird ge­lie­fert, was die Food­coop-Mit­glieder wün­schen. Die können sogar au­ßer­halb der Spei­cher­öff­nungs­zeiten ein­kaufen, indem sie sich über eine Kun­den­karte in das System ein­loggen. Rech­nungen werden au­to­ma­tisch er­stellt. Die Food­coop kann günstig wirt­schaften, weil sie miit an­deren Funk­tionen des Ökospei­chers ver­knüpft ist: Das Erd­ge­schoss wird der­zeit so um­ge­baut, dass es Cafe´und Laden, Tou­ris­t­info, Aus­stel­lungs- und Ver­an­stal­tungs­raum gleich­zeitig ist.
Uwe Neu­mann vom Verein Un­ter­spree in Schlepzig be­rich­tete von ähn­li­chen Kon­zepten im Spree­wald: Die Idee, Dor­fläden zu Dienst­leis­tungs­zen­tren zu er­wei­tern und in die tou­ris­ti­sche In­fra­struktur ein­zu­binden, setze sich in vielen Dör­fern durch.

Hans-Georg von der Mar­witz (CDU) er­gänzte in der Po­li­tiker-Schluss­runde seine Er­fah­rungen mit dem Kunst­spei­cher Frie­ders­dorf. „Wir sind die ein­zige Kul­turein­rich­tung im Kreis, die ohne För­de­rung aus­kommt.“ Dass die Kom­bi­na­tion Wirts­haus - Laden - Ver­an­stal­tungsort klappt, habe mit der di­rekten Be­tei­li­gung vieler Dorf­be­wohner an der Be­trei­ber­ge­sell­schaft Dorfgut GmbH zu tun. So seien es Be­sit­zer­stolz und -ver­ant­wor­tung, die viele Frie­ders­dorfer ver­an­lassen, sich für den Spei­cher zu en­ga­gieren und ihn selbst zu nutzen.

„Auf För­der­mit­teln al­lein lässt sich kein Kon­zept auf­bauen“, er­klärte Mo­de­rator Martin Merk am Schluss. Und: „Bil­liges Essen kaufen ist keine Stra­te­gie“. Deut­lich wurde am Ende der Wunsch nach mehr Ver­net­zung und wei­terem Aus­tausch.

 
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